Übersicht:
  Willkommen
Kontakte
Gottesdienste
Seelsorge + Sakramente
Unsere Pfarreiengemeinschaft
Soziale Dienste
Kinder + Familie
Jugend
Senioren
Ökumene
Nachrichten
Termine
Bildergalerien
Bankverbindungen
Inhaltsverzeichnis
Linkliste
Impressum
  zur Seite des Bistums Würzburg  
  zur Internetseelsorge Kummernetz  
   
   
Pfarradministrator Christian Wöber:
"Der Missbrauchskandal ist bei uns angekommen"
In seiner ersten Predigt in Kirchzell nahm Pfarradministrator Christian Wöber am Nepomuksfest Stellung zu den Ereignissen der letzten Tage. Er ermutigte die Gottesdienstbesucher, im gegenseitigen Stützen durch die kommende Zeit gehen zu können und sich gegenseitig so des Glaubens zu versichern, der bei vielen ins Wanken geraten sei. Er sicherte zu, das ihm Mögliche dazu beizutragen. Hier die Predigt im Wortlaut:
Pfarradministrator Christian Wöber.

Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit:

 

Liebe Schwestern und Brüder aus Kirchzell und allen Ortsteilen,

in den letzten Tagen haben wir alle etwas erlebt, was wohl vollkommen außerhalb unserer Vorstellung war:

Der Missbrauchskandal innerhalb der Kirche – bisher nur über die medien präsent und weit weg – ist hier bei uns angekommen.

Nahezu zeitgleich hat Papst Benedikt den Marienwall­fahrts­ort Fatima besucht. Dabei hat er die gegenwärtige Situation in der Kirche mit den Missbrauchsvorwürfen

und der öffentlichen Anklage, weil die Kirche eben hohe moralische Ansprüche verkündet, ins Licht der Botschaft von Fatima gestellt. Er sagt: „Es war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise: Die größte Ver­folgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche. Und darum ist es für die Kirche zutiefst notwendig, dass sie neu lernt, Buße zu tun, die Reinigung anzunehmen; dass sie einerseits vergeben lernt, aber auch die Notwendigkeit der Gerechtigkeit sieht; denn Vergebung ersetzt die Gerechtigkeit nicht.“

(Benedikt XVI., Inter­view auf dem Flug nach Portugal, 11.5.2010)

Wir sollen vergeben lernen, denn wie wir es aus der biblischen Erzählung von der Sünderin wissen, kann nur der den ersten Stein werfen, der ohne Sünde ist: also keiner von uns!

Zugleich ist aber die Aufarbeitung aller Vorwürfe not­wendig, die der staatliche Gerichtsbarkeit überlassen wird. Gerechtigkeit herzustellen für erlittenes Unrecht soweit dies irgendwie möglich ist, ist der moralische Anspruch wie Täter und Kirche den Opfern von Miss­brauch begegnen müssen. Für gläubige Menschen spielt dabei das Gebet eine wichtige Rolle, gerade dann, wenn wir mit unseren menschlichen Mitteln nicht mehr weiter wissen.

Soweit die wahrscheinlich für alle nachvollziehbare, eine Seite der Medaille.

Aber wie das alles mit der konkreten Situation hier bei uns in Ein­klang bringen? Wie das begreifen, dass ein überaus geschätzter Seelsorger eine solche dunkle Seite hat? Wie dabei nicht verzweifeln, wenn plötzlich die schein­bar heile Welt zusammenbricht?

Papst Benedikt sagt dazu: „Der Herr hat uns gesagt, dass die Kirche auf verschiedene Weise immer leiden würde bis zum Ende der Welt. Wichtig ist dabei, dass die Bot­schaft, die Antwort von Fatima im Wesentlichen nicht auf bestimmte Andachtsübungen abzielt, sondern auf die grundlegende Antwort, das heißt die ständige Umkehr, die Buße, das Gebet und die drei göttlichen Tugenden: Glaube Hoffnung und Liebe. So sehen wir hier die wahre und grundlegende Antwort, die die Kirche geben muss,

die wir, jeder von uns, in dieser Situation geben müssen. Unter dem Neuen, dass wir heute in dieser Botschaft entdecken können, ist auch die Tatsache, dass die Angriffe gegen Papst und Kirche nicht nur von außen kommen, sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Innern der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert.“ (Benedikt XVI., Inter­view auf dem Flug nach Portugal, 11.5.2010)

Es ist also eine Glaubensfrage, die sich jeder und jedem von uns stellt. Es gibt sündhaftes Verhalten, das viel Leid erzeugt. Wir Christen sind dazu aufgerufen zum eigenen Fehlverhalten zu stehen, die Konsequenzen zu tragen

und wieder gut zu machen, was nur irgendwie wieder gut zu machen ist. Denn nur so ist es möglich, dass die Liebe Gottes auch in schwierigsten Situationen eine Chance hat. Jesus sagt uns dazu im Evangelium im Gebet zu seinem himmlischen Vater: „Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht ..., damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.“ (Joh 17,26).

Diese Botschaft hat Ihr Pfarrer seither verkündet und vor­gelebt; es ist daher nur konsequent, wenn er sich jetzt der Verantwortung stellt und bereit ist die Konsequenzen zu tragen.

Für uns alle, die wir mit dieser Situation zurückgelassen sind, bleibt die Aufgabe uns – im Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit – einzugestehen, dass auch gute Priester Schuld auf sich laden können. Zugleich zu lernen, ohne unseren bisherigen Pfarrer zu leben, denn das ist der Teil der Konsequenz, die wir alle mitzutragen haben, weil Kirche und Pfarrgemeinde in Freude und Leid eine Schicksals-Gemeinschaft ist.

Dabei gilt es das Herzensanliegen Jesu zu beherzigen, das er ebenfalls in seinem Abschiedsgebet im Angesicht des bevorstehenden Leids formuliert hat: „Alle sollen eins sein.“ (Joh 17,21) Im gegenseitigen Stützen können wir durch die kommende Zeit gehen und uns so gegen­seitig des Glaubens versichern, der bei vielen ins Wanken geraten ist. Das mir Mögliche will ich dazu beitragen.


Veröffentlicht: 16.05.2010 Marcus Schuck